Dorfauto als Rettung

Wie schön wäre es, wenn wir uns von heute an das Wort Dieselkrise abgewöhnen könnten. Wenn wir uns nicht mehr mit Hardware-Nachrüstung, Harnstoff-Katalysatoren und Fahrverboten beschäftigen müssten. Wir, die Autofahrer, Verkehrsteilnehmer, Stadtbewohner und Wähler, würden gerne einfach wieder durchatmen. Denn das Saubermann-Image des deutschen Diesel wiederherzustellen hilft ja vielleicht bei der Luftreinhaltung, aber nicht bei den Verkehrsproblemen, die sich weiter verschärfen werden. Wenn in einer Region sowohl die Zulassungszahlen von Verbrenner-PKW als auch die Fahrgastzahlen im ÖPNV steigen, ist das nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Vielmehr zeigt es, dass die Bürger zwar ein Auto besitzen, es aber weniger nutzen. Der Ausbau der Verkehrsflächen wie Strassen, Parkflächen steigt aber nicht gleichermassen. Fazit: immer mehr Fahrzeuge haben immer weniger Platz und Staus werden auch in Zukunft an der Tagesordnung sein. Der Grundsatz - mehr Strassen ziehen mehr Verkehr an - wird auch hier seine Gültigkeit haben. Unsere Demokratie steht vor der Frage, wie viel Naturraum wir bereit sind, für die Mobilität der Zukunft zu versiegeln.

Industrie und Poltik gehen wie selbstverständlich davon aus, dass die PKW- und LKW-Verkaufszahlen weiter steigen werden und auch bei den Elektroautos ein Austausch 1:1 stattfinden wird. Aber genau das kann nicht funktionieren. Wir brauchen ein neues, intermodales Mobilitätskonzept. Beispielsweise das gemeinsam genutzte DorfAuto.

Elektrofahrzeuge sind gerade im innerstädtischen Verkehr eine gute Lösung für Busse, Taxis und Lieferservice. Dies gilt vor allem für den ländlichen Raum. Zu einem intermodalen Konzept gehört natürlich eine gute Radwege-Planung, Mitfahr-Angeboten u.a. mehr. An guten Ideen, wie man Individualverkehr reduzieren kann, ohne an Mobilität einzubüssen, sollte es nicht mangeln. Die Gesellschaft, allen voran die Lokalpolitik, sollte die Dieselkrise auch als Chance begreifen, eine Neuausrichtung des Verkehrs in Angriff zu nehmen. Ein Weiter-so darf es nicht geben!